Kristallheilkunde · Steinporträt

Schwarzer Obsidian

Schwarzer Obsidian ist ein Stein in Schwarz, traditionell verbunden mit Schutz, Erdung, Loslassen.

Schwarzer Obsidian, ein geschliffenes Exemplar

Das Wichtigste

Familie
Vulkanglas
Zusammensetzung
Kieselsäurereich (variabel)
Kristallsystem
Amorph
Härte (Mohs)
5–5.5
Farbe
Schwarz, manchmal glänzend
Chakra
Wurzelchakra
Elemente
Erde/Feuer
Tierkreis
Skorpion

Obsidian, geologisch betrachtet

Trifft sehr kieselsäurereiche Lava auf Luft oder Wasser, erstarrt sie, bevor sich ihre Atome ordnen können. Zurück bleibt ein Glas, amorph wie das im Fenster, nur natürlich entstanden. Obsidian ist deshalb streng genommen kein Mineral und erst recht kein Kristall, sondern ein Mineraloid. Das nimmt ihm nichts.

Sein muscheliger Bruch erzeugt Kanten von extremer Schärfe. Die Varietäten kommen von Einschlüssen: Der Schneeflockenobsidian verdankt seine grauen Flocken dem Cristobalit, der Regenbogenobsidian sein Schillern winzigen Einlagerungen, und die Apachentränen sind rundliche Knollen, aus ihrer Hülle gelöst. Die Fundorte folgen den Vulkanen: Mexiko, Armenien, Island, die Liparischen Inseln, der Westen der USA, Äthiopien.

Schwarzer Obsidian, nach der Tradition

Der schwarze Obsidian ist aus Vulkanglas entstanden, glatt und tief wie ein dunkler Spiegel, und die Tradition behandelt ihn als Hüter der Grenzen. Man schreibt ihm die Gabe zu, dir zu helfen, eine klare Kontur zu ziehen, wenn die Atmosphäre um dich herum schwer wird, wie ein unauffälliger Schild, den du bei dir trägst. Es ist ein Erdungsstein, den viele in der Tasche tragen, um sich in angespannten Momenten gefestigter zu fühlen. Behalt ihn während einer heiklen Situation bei dir, oder halt ihn während einer kurzen Meditation, um das zu bekräftigen, was du loszulassen wählst. Sein Schwarz lädt dich ein, zu dir selbst zurückzukehren, gefestigt und fest im Boden verankert.

Affirmation„Ich halte gesunde Grenzen.“

Von der Steinzeitklinge zum Zauberspiegel

Den Namen gab Plinius, der die Entdeckung einem gewissen Obsius in Äthiopien zuschrieb. Die Geschichte beginnt viel früher: Schon in der Steinzeit wurde Obsidian über hunderte Kilometer getauscht und zeichnet damit die ersten Handelswege, die Archäologen kennen. Eine frisch geschlagene Klinge ist feiner als ein Skalpell aus Stahl.

Bei den Azteken bewaffnet er Krieger und dient den Sehern; Tezcatlipoca, der rauchende Spiegel, trägt ihn im Namen. Ein aztekischer Obsidianspiegel gelangte nach der Eroberung nach Europa und landete im 16. Jahrhundert bei John Dee, dem Astrologen Elisabeths I., der darin seine Visionen suchte. Heute liegt er im British Museum.

Schwarzer Obsidian anwenden

Tasche, wenn die Atmosphäre schwer ist; eine kurze Meditation.

Reinigung

Ein Abspülen, Räuchern, Klang.

Aufladen

Die Erde, Mondlicht; Intention.

Häufige Fragen

Ist Obsidian ein Kristall?
Nein, ein natürliches Glas. Ihm fehlt das geordnete Gitter, das ein Mineral ausmacht; Mineralogen sagen Mineraloid dazu. In der Steinkunde wird er trotzdem selbstverständlich mitgeführt.
Warum sind Obsidiankanten so scharf?
Weil Glas muschelig bricht und dabei außerordentlich dünne Kanten bildet. Rohstücke mit frischen Bruchflächen fasst man deshalb vorsichtig an.
Darf Obsidian ins Wasser?
Kurz ja. Er ist unempfindlich gegen Wasser, aber empfindlich gegen Stöße und Temperatursprünge, die Muschelbrüche auslösen können.
Was unterscheidet Schneeflockenobsidian vom schwarzen?
Nur die Einschlüsse. Die weißen Flocken sind Cristobalit, ein Kieselsäuremineral, das beim langsamen Entglasen wächst. Chemisch bleibt es derselbe Vulkanglaskörper.

Quellen

  • Judy Hall, The Crystal Bible, Godsfield Press, 2003.
  • Robert Simmons & Naisha Ahsian, The Book of Stones, North Atlantic Books, 2007.