Rituale · sanfte Hexerei
Ostara der Tag, an dem das Licht siegt.
Ostara ist der Sabbat der Frühlingstagundnachtgleiche, um den 20. oder 21. März auf der Nordhalbkugel: Tag und Nacht halten sich exakt die Waage, dann siegt das Licht. Sein Name stammt von Ēostre, einer angelsächsischen Göttin, die der Mönch Beda im 8. Jahrhundert nur ein einziges Mal erwähnte, und wurde erst 1974 als Sabbat-Name festgelegt. Das Fest ist modern; die Verwunderung über die Tagundnachtgleiche jedoch ist uralt.
Das Wichtigste
- Datum
- Märztagundnachtgleiche, 20. oder 21. März (Nordhalbkugel; Septembertagundnachtgleiche auf der Südhalbkugel)
- Platz im Rad
- ein solares Fest, Eröffnung der lichten Jahreshälfte
- Herkunft des Namens
- Ēostre, eine nur einmal von Beda genannte Göttin (8. Jahrhundert); Sabbat-Name 1974 festgelegt
- Themen
- Gleichgewicht, Samen, Aufbruch
- Symbole
- die Eier, der Hase, die ersten Triebe
Eine Göttin, ein einziger Satz
Die ganze Geschichte von Ostara steckt in einem Satz des Mönchs Beda im 8. Jahrhundert: Die Angelsachsen nannten den April „Ēosturmōnaþ“, den Monat der Ēostre, einer Göttin, zu deren Ehren angeblich Feste gefeiert wurden. Das ist die einzige antike Erwähnung. Im 19. Jahrhundert rekonstruierte der Philologe Jacob Grimm daraus eine hypothetische germanische Version, „Ostara“, und der Name machte Karriere.
Der Sabbat selbst ist noch jünger: Erst 1974 taufte der Amerikaner Aidan Kelly das Fest der Frühlingstagundnachtgleiche so, wobei er nebenbei auch Litha und Mabon benannte. Kein antikes Fest namens Ostara ist belegt; die Frühlingsfeiern hingegen durchziehen alle europäischen Kulturen, von bäuerlichen Riten bis zu den bemalten Eiern des Folklores.
Was Ostara feiert
Die Tagundnachtgleiche ist ein Moment seltener Genauigkeit: Die Sonne geht exakt im Osten auf, exakt im Westen unter, und der Tag ist überall auf der Erde gleich lang wie die Nacht. Am folgenden Tag gewinnt das Licht. Ostara feiert diesen Umschwung: Nach dem Erzittern von Imbolc wird der Frühling sichtbar, messbar, unbestreitbar.
Seine Symbole sagen alle dasselbe: das Ei, ein in sich geschlossenes Versprechen; der Same, der die Pflanze enthält, ohne ihr zu ähneln; der Feldhase, im Winter fast unsichtbar und im März plötzlich überall. Die Tradition liest darin den Moment der Möglichkeiten: Alles ist gesät, nichts ist schon geerntet.
Drei sanfte Gesten für Ostara
Säe, im wörtlichen Sinn: ein Topf mit Kräutern auf einer Fensterbank genügt. Die Geste, zur Tagundnachtgleiche einen Samen in die Erde zu legen und ihn dann keimen zu sehen, während die Tage länger werden, ist mehr wert als alle Reden über Anfänge. Du kannst auch Eier bemalen, wie es das mitteleuropäische Folklore seit Jahrhunderten tut: Zwiebelschalen zum Färben, eine Wachsspitze zum Zeichnen.
Und geh am Abend der Tagundnachtgleiche bei Sonnenuntergang spazieren: Die Sonne verschwindet exakt im Westen, was nur zweimal im Jahr geschieht. Halte in deinem Heft die beiden Waagschalen: was du dem Winter überlässt, was du für die lichte Jahreszeit säst. Ostara lädt dazu ein, deine Samen zu wählen.
Häufige Fragen
- Ist Ostara ein antikes Fest?
- Der Sabbat-Name stammt aus dem Jahr 1974, und die Göttin Ēostre wird nur ein einziges Mal erwähnt, von Beda im 8. Jahrhundert. Das Fest ist also ein bewusst modernes Konstrukt. Alt ist die Aufmerksamkeit für die Tagundnachtgleiche und die Frühlingsbräuche: bemalte Eier, Feuer, bäuerliche Riten.
- Welche Verbindung besteht zwischen Ostara und Ostern?
- Im Englischen (Easter) und im Deutschen (Ostern) stammt der Name des Frühlingsfests vermutlich von derselben Wurzel wie Ēostre ab. Das französische „Pâques“ hingegen kommt vom hebräischen Pessach. Die Ostereier und der Osterhase sind volkstümliche Frühlingsbräuche, die beide Traditionen teilen.
- Wann fällt Ostara genau?
- Zur Märztagundnachtgleiche, deren Datum je nach Jahr zwischen dem 19. und 21. schwankt; in diesen Zeiten meist der 20. März. Auf der Südhalbkugel richtet sich dasselbe Fest nach der Septembertagundnachtgleiche.