Traumdeutung
Die Traumdeutung ist die Praxis, den Bildern des Schlafs einen Sinn zu suchen, indem man sie mit dem inneren Leben und der Erfahrung der träumenden Person verbindet. Fast in jeder Kultur vorhanden, von den alten Traumschlüsseln bis zu modernen Schulen, erlebt sie 1900 mit Freud eine entscheidende Wende, der im Traum den Königsweg zum Unbewussten sieht. Jung setzt sie fort, indem er darin eine Sprache der Symbole liest. Sie erhellt die träumende Person wie einen Spiegel, nie wie ein Urteil.
Zwei große Schulen
Zwei große Stimmen haben die moderne Traumdeutung geprägt. Für Freud verschleiert der Traum ein verdrängtes Verlangen, hinter dem manifesten Inhalt, der Geschichte, an die du dich erinnerst, verbirgt sich ein latenter Inhalt, der zu entschlüsseln ist. Für Jung verbirgt der Traum nicht, er zeigt, er spricht in Symbolen und versucht auszugleichen, was das Wachleben vernachlässigt. Zwei verschiedene Schlüssel für dieselbe Tür, deine innere Welt.
Der zeitgenössische Blick
Die heutige Forschung betrachtet den Traum anders. Forscher wie G. William Domhoff beobachten eine Kontinuität zwischen deinen Träumen und deinen Sorgen des Tages, du träumst, was dich beschäftigt, deine Bindungen, deine Nöte. Mehr als ein universeller Code zu entschlüsseln, wird der Traum zu einer nächtlichen Fortsetzung deines Lebens, einem Spiegel dessen, was dich gerade bewegt.
Es selbst tun
Um einem Traum Sinn zu geben, misstrau vorgefertigten Wörterbüchern, in denen jedes Bild eine einzige Bedeutung hätte. Geh eher von dir selbst aus, was empfindest du in der Szene, woran erinnert dich dieses Bild, was hallt mit deinen gegenwärtigen Tagen wider. Notiere den Traum, lass deine freien Assoziationen kommen und nimm den Sinn an, der wirklich zu dir spricht.
Quellen
- , Die Traumdeutung (1900)
- , Der Mensch und seine Symbole (1964)