Mondtagebuch · Vollmond
Schreiben im Vollmond.
nimm dein Heft zur Hand ✦
Der Mond geht auf, wenn die Sonne untergeht, rund, ganz, unmöglich zu übersehen. Der Vollmond ist der Augenblick der exakten Opposition: die beiden Lichter einander gegenüber, die hellste Nacht des Zyklus. Traditionen aus aller Welt haben daraus einen Höhepunkt gemacht, und Generationen von persönlichen Tagebüchern erzählen dasselbe: Gefühle steigen auf, der Schlaf wird dünner, Worte finden endlich zu dem, was seit Tagen brodelte. Fürs Schreiben ist das die Phase der Ernte und der Wahrheit. Hier siehst du, wozu die Neumond-Absicht zwei Wochen später geworden ist: manchmal das, was du erhofft hattest, manchmal etwas anderes, und das ist genauso interessant. In der App die Seite wieder zu öffnen, die du beim Neumond geschrieben hast, und die beiden Seiten nebeneinanderzulegen, ist eine der aufschlussreichsten Gesten des Mondtagebuchs. Der Vollmond verlangt nichts: Er beleuchtet. An dir ist es, aufzuschreiben, was du in diesem grellen Licht siehst, auch das, was überläuft, auch das, was dich überrascht.
Die Impulse, um die Seite zu öffnen
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Was haben diese vierzehn Tage mit deiner Neumond-Absicht gemacht: Wo steht sie jetzt, verwandelt, übertroffen, treu geblieben?
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Was läuft heute Nacht in dir über, Gefühl, Müdigkeit, Freude, und was versucht es dir zu sagen?
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Was siehst du jetzt klar, das du vor zwei Wochen nicht sehen wolltest?
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Worauf bist du gerade stolz, auch wenn es niemand bemerkt hat?
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Wenn es heute Nacht nur eine einzige Sache zu feiern gäbe, hier, sofort, welche wäre es?
Um die Seite zu schließen
Schließ das Heft und geh, den Mond anzuschauen, notfalls von einem Fenster aus. Bleib eine echte Minute lang, ohne Handy, und sieh ihm zu, wie er dich ansieht. Geh dann wieder hinein und notiere nur einen Satz mehr: was du in dieser Minute gefühlt hast. Das ist oft die wahrste Zeile der Seite.