Glossar Krafttier

Bestiarium

Ein Bestiarium ist eine Sammlung, die Tiere beschreibt, reale oder fabelhafte, und ihnen einen moralischen oder spirituellen Sinn verleiht. Die Gattung blüht im Mittelalter, ausgehend vom Physiologus, einem griechischen Text der ersten Jahrhunderte, in dem jede Kreatur zur Lektion wird, der Löwe, der Phönix, das Einhorn. Diese Werke haben einen Großteil der abendländischen Tiersymbolik festgelegt, jene, die sich noch in der Heraldik, in den Märchen und im heutigen Bildvorrat findet.

Vom Physiologus zu den illuminierten Handschriften

Alles beginnt mit dem Physiologus, einem anonymen griechischen Text, verfasst in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, wahrscheinlich in Alexandria. Jedes Kapitel beschreibt eine Kreatur und zieht daraus eine spirituelle Lektion. Über das ganze Mittelalter hinweg abgeschrieben, übersetzt und erweitert, gibt er den großen illuminierten Bestiarien ihren Ursprung, in denen der Pelikan, das Einhorn oder der Phönix zu moralischen Figuren werden, die ganz Europa lesen lernt.

Ein Bestiarium heute lesen

Begegnest du einem heraldischen Löwen, einer Eule aus einer Bibliothek oder einem Phönix aus einem Roman, liest du noch immer ein Bestiarium, ohne es zu wissen. Vergnüg dich daran, dem Faden nachzugehen, welche Eigenschaft hat jene Kultur diesem Tier geliehen, und warum? Es ist ein freudiger Einstieg in die Tiersymbolik, und eine Erinnerung daran, dass unsere Bildwelten geerbte Bibliotheken sind.

Quellen

  • Anonym, Physiologus
  • Michel Pastoureau, Bestiaires du Moyen Âge (2011)